{"id":756,"date":"2026-02-24T10:56:26","date_gmt":"2026-02-24T09:56:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/?p=756"},"modified":"2026-02-24T10:56:26","modified_gmt":"2026-02-24T09:56:26","slug":"einnahmen-fuers-sportheim-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/?p=756","title":{"rendered":"Einnahmen f\u00fcrs Sportheim gesucht"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Eine Debatte von 1930<\/h4>\n\n\n\n<p>In wenigen Jahren wird das Mehrzweckgeb\u00e4ude am Salvus-Stadion hundert Jahre alt. Damit h\u00e4lt es bereits deutlich l\u00e4nger als die Weimarer Verfassung, zu deren zehntem Jubil\u00e4um es einst eingeweiht wurde. In seiner Anfangszeit war es unter der Bezeichnung \u201eSportheim\u201c bekannt und ein Objekt des Stolzes. Immerhin hatte es 92.326 Reichsmark gekostet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie sah der Neubau aus?<\/h4>\n\n\n\n<p>Zum Zeitpunkt seiner Er\u00f6ffnung schrieb jemand, der es besichtigen konnte, in der Emsdettener Volkszeitung: \u201eZur Verf\u00fcgung standen 78.800 Mark, soda\u00df 14.000 Mark mehr ausgegeben sind.\u201c Er gab weiter an, woher die Mehrausgaben kamen. \u201eDie obere Etage ist weiter ausgebaut worden, die Badegelegenheit ist vergr\u00f6\u00dfert und versch\u00f6nert, desgleichen die Heizung. Materialien haben sich verteuert, L\u00f6hne sind gestiegen, soda\u00df die Mehrausgaben verst\u00e4ndlich erscheinen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGro\u00dfe, aus Kunstgranitsteinen hergestellte Podestfreitreppen f\u00fchren in das Innere und auf die Veranda. Diese letztere ist 100 qm gro\u00df und bietet ca. 110 Personen Sitzgelegenheit.. Im Kellergescho\u00df befinden sich f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner getrennt Umkleider\u00e4ume, Wannen- und Brauseb\u00e4der und Klosettanlagen. Soweit nur irgend m\u00f6glich, sind in den verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig dicken Kellermauern Wandschr\u00e4nke f\u00fcr die Sporttreibenden eingebaut.&nbsp; (\u2026) Au\u00dferdem ist im Kellergescho\u00df (\u2026) ein Heizkeller mit kombinierter Heizungsanlage angelegt. Es ist ein gr\u00f6\u00dferer Heizkessel f\u00fcr die Beheizung s\u00e4mtlicher R\u00e4ume in allen vier Geschossen und zur Speisung der Badeeinrichtung w\u00e4hrend der kalten Jahreszeit, und au\u00dferdem ist noch ein kleinerer Heizkessel f\u00fcr die Warmwasserbereitung f\u00fcr den Badebetrieb in den Sommermonaten vorhanden.<br>Im Erdgescho\u00df befindet sich eine gro\u00dfe Wirtschaftsk\u00fcche und drei f\u00fcr den Betrieb eingerichtete und untereinander verbundene Gastzimmer, die f\u00fcr etwa 140 Personen Sitzgelegenheit bieten. Von diesen R\u00e4umen hat man \u00e4hnlich wie von der Terrasse eine herrliche Aussicht \u00fcber den gesamten 32 Morgen gro\u00dfen Sportplatz. Im ersten Obergescho\u00df befindet sich das Preisrichterzimmer, ferner gibt es zwei Wirtschaftsr\u00e4ume, die besonders als Kaffeezimmer f\u00fcr die Damen gedacht sind. Au\u00dferdem befindet sich in diesem Gescho\u00df die Wohnung des Kastellan. Das zweite Obergescho\u00df ist ebenfalls als Wohnung voll ausgebaut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kompetenter Hausmeister gesucht (mit Frau)<\/h4>\n\n\n\n<p>Doch wie nutzt man ein so gro\u00dfes Geb\u00e4ude am Besten? Schon zu Beginn des Sommers war die Stelle eines \u201eKastellans\u201c ausgeschrieben worden. Das war eine Mischung aus Hausmeister und Wirt, oder genauer gesagt: Wie bereits zwanzig Jahre fr\u00fcher im Kolpinghaus war es eine T\u00e4tigkeit, die ein Ehepaar gemeinsam auszuf\u00fcllen hatte. Der klangvolle Titel wie das Gehalt gingen dabei merkw\u00fcrdiger Weise immer an den Ehemann. Ein (anonymer) Kommentator beschrieb am 6. Juli 1929 das Aufgabenspektrum wie folgt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin begehrenswerter Posten scheint die vor kurzem ausgeschriebene Kastellanstelle f\u00fcr das Sportheim und das Stadion am Grevener Damm zu sein. Nicht weniger als 80 Bewerber haben ihre Gesuche eingereicht. Die Turn- und Sportvereine haben ihre diesbez\u00fcglichen. W\u00fcnsche dahin ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df nur solch ein Mann den Posten bekleiden solle, der mit dem Sport verwachsen sei. Wir halten diese Stellungnahme f\u00fcr einseitig. Auf den Platz geh\u00f6rt ein Mann, der die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df die Anlage anf\u00e4ngt, sich zu verzinsen. er hat die Pl\u00e4tze instand zu halten. Er hat die Brausen- und Wannenb\u00e4der zu bedienen. er hat \u203adie Auskleide- und Ger\u00e4ter\u00e4ume zu betreuen. Er soll das Haus in Ordnung halten, da\u00df man gern hingeht. Er mu\u00df es verstehen, durch saubere und freundliche Bedienung sich eine Kundschaft zu erziehen. Man sollte nicht au\u00dfer acht lassen, da\u00df an Spieltagen der Kastellan keine Zeit hat, den Vorg\u00e4ngen auf dem gr\u00fcnen Rasen zuzuschauen. Uns liegt nichts ferner als f\u00fcr oder gegen irgend eine Kandidatur Stellung zu nehmen. Nebenbei bemerkt sei eines nicht vergessen, da\u00df bei der F\u00fchrung eines Wirtschaftsbetriebes die Eignung der Frau eine ganz au\u00dferordentliche Rolle spielt, wenn nicht gar die Entscheidende.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Den Zuschlag erhielten Viktor Str\u00f6hmer und seine Frau Helene, geborene W\u00e4hning.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun konnten die sportbegeisterten Emsdettener beginnen, das Geb\u00e4ude zu nutzen. F\u00fcr die Gemeinde als Betreiber waren diejenigen am wichtigsten, die Billets f\u00fcr die Nutzung Wannen- und Brauseb\u00e4der erstanden. Diese standen nicht nur den Nutzern des Sportgel\u00e4ndes offen, sondern auch allen anderen Interessierten zu einer Zeit, wo Badezimmer noch eine seltene Ausnahme waren. Au\u00dferdem sollten Mieteinnahmen aus den Wohnungen erzielt werden. Die Einnahmen konnten allerdings die Kosten nicht aufwiegen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Debatte um Nutzung und Einnahmen<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Leserbriefschreiber zog am 2. Februar 1930 Bilanz aus den Erfahrungen der ersten Monate und stie\u00df damit eine lebhafte Diskussion auf den Seiten der Emsdettener Volkszeitung an. Es sollte zumindest medial die intensivste Debatte der fr\u00fchen 1930er Jahre in Emsdetten sein. Der letzte Beitrag dazu erschien am 10. April 1930. Im Folgenden versuche ich im Interesse der \u00dcbersichtlichkeit, die Argumente der extrem langen Leserbriefe in eine inhaltliche Ordnung zu bringen. Daf\u00fcr zerst\u00fcckele ich die urspr\u00fcnglichen Texte und f\u00fcge sie als eine Art Collage wieder zusammen. Die \u201eNamen\u201c der Beteiligten stammen teilweise aus den damaligen Artikeln selbst, oder sind in analoger Weise dazu gebildet worden. Es war in dieser Zeit un\u00fcblich, dass Leserbriefe mit Klarnamen unterzeichnet waren. Die Redaktion der Emsdettener Volkszeitung nahm f\u00fcr sich in Anspruch, sie zu kennen, begn\u00fcgte sich bei Ver\u00f6ffentlichung jedoch meist mit einem Pseudonym oder einem dem Namen entnommenen Buchstaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimatfreund: Da\u00df die Einnahmen kaum die laufenden Unkosten decken, ist leider Tatsache. Will man diesen Gesichtspunkt in den Vordergrund r\u00fccken, dann ist nur eine M\u00f6glichkeit vorhanden [das Sportheim rentabel zu machen ], n\u00e4mlich dem Sportheim volle Schank-Konzession zu geben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Idealist: \u201eUnser Sportheim soll dem Sport, der Jugendpflege hier am Ort dienen. Es hilft als solches, erzieherische Aufgaben an der heranwachsenden Jugend mitzuerf\u00fcllen. Von diesem Grundgedanken aus ist es v\u00f6llig abwegig, den Gesichtspunkt der Rentabilit\u00e4t des Sportheims in den Vordergrund zu r\u00fccken. Kulturelle Neusch\u00f6pfungen verm\u00f6gen sich niemals sofort oder auch in kurzer Zeit zu rentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sportler: \u201eHier sto\u00dfen sich Ideal und Wirklichkeit. Ideal w\u00e4re, wenn jede Gemeinde Mittel f\u00fcr kulturelle Zwecke hinreichend zur Verf\u00fcgung h\u00e4tte und jedes Jahr Tausende daf\u00fcr verwenden k\u00f6nnte. Sie sind leider nicht da. Deswegen bleibt schon manches liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Idealist: Gerade die Erfassung der heranwachsenden Jugend ist unter den ganz ver\u00e4nderten sozialen Verh\u00e4ltnissen der Nachkriegszeit eine der vordringlichsten Aufgaben. Ohne finanzielle Opfer von Seiten dieser K\u00f6rperschaften l\u00e4\u00dft sich dieses nat\u00fcrlich nicht erreichen. (\u2026) So bin ich davon \u00fcberzeugt, da\u00df die \u00f6ffentlich Meinung Emsdettens eher f\u00fcr ein Sportheim ohne Konzession zu gewinnen ist als f\u00fcr ein Sportheim mit Konzession, zu dem dann leicht noch all die unerw\u00fcnschten Nebenerscheinungen treten k\u00f6nnen, die die einsame Lage des Sportheims beg\u00fcnstigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimatfreund: Man sollte jedoch nicht vergessen, da\u00df der Ausschank alkoholhaltiger Getr\u00e4nke nicht f\u00fcr die Sportler, sondern f\u00fcr Zuschauer und sonstige G\u00e4ste gedacht ist. Jeder Sportler wei\u00df, da\u00df jeglicher Alkoholgenu\u00df seine sportliche Leitungsf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt. Wer jedoch das nicht will oder nicht fertig bringt, verzehrt in jedem anderen Lokal nicht mehr und nicht weniger als im Sportheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sportler: F\u00fcr das Sportheim ist sehr viel Geld ausgegeben worden. Es w\u00e4re geradezu unverantwortlich, wenn man nicht sorgen wollte, da\u00df die j\u00e4hrlichen Zusch\u00fcsse jetzt nicht st\u00e4ndig geringer werden. Das w\u00fcrde durch eine Schank-Konzession erreicht. Ohne \u00fcbertreiben zu wollen, wird man doch ruhig behaupten d\u00fcrfen, da\u00df von 10 Wirtshausbesuchern h\u00f6chstens einer Wasser trinkt. Der Kundenkreis w\u00fcrde sich also ganz automatisch vervielfachen. Und wo die n\u00e4chste Wirtschaft rund 12 Minuten entfernt ist, wird man die Bed\u00fcrfnisfrage nicht ohne weiteres verneinen d\u00fcrfen, zumal bei den sonnt\u00e4glichen Spielen durchschnittlich 5-600 Erwachsene auf dem Platz sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Idealist: Das Wirtegewerbe ist ein Gewerbe, das um seine Existenz ebenso ringt wie alle anderen Gewerbe. Die \u00d6ffentlichkeit hat aber Interesse daran, da\u00df dem Wirtestand nicht immer wieder neue Konkurrenz erw\u00e4chst, w\u00e4hrend alle Wirte sich bem\u00fchen werden, ihre Existenzgrundlage zu erhalten. Das aber ist nur m\u00f6glich durch gesteigerten Alkoholkonsum. Dieser aber bedeutet neues Elend in der Familie, neue F\u00fcrsorgelasten f\u00fcr die Gemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sportler: Es sei zugegeben, da\u00df auch das Wirtegewerbe nicht auf Rosen gebettet ist. Aber man bleibe doch objektiv. In 30 Jahren, wo die Bev\u00f6lkerung Emsdettens sich verdoppelt hat,&nbsp; ist das Wirtegewerbe konstant geblieben. Wo ist da die \u201aimmer wieder neue Konkurrenz des Wirtestandes\u2018? Tatsache ist, da\u00df in Emsdetten der Prozentsatz der Wirtschaften kleiner ist als der Durchschnitt in Reich und Staat, in Provinz und Kreis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heimatfreund: Als bekannt d\u00fcrfte vorausgesetzt werden, da\u00df laut Verbandssatzungen jedem Jugendlichen unter 18 Jahren Alkohol und Nikotin streng verboten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Idealist: Andererseits lassen Beobachtungen, die man \u00f6fters Sonntags nach der Spielzeit am Bahnhof machen kann, es als wahrscheinlich erscheinen, da\u00df auch die Sportler Gebrauch davon machen w\u00fcrden. Man sollte es gerade diesen jungen Leuten, die durch ihr Verhalten sicher nicht f\u00fcr wahren, echten Sport werben, nicht so leicht machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sportler: Es taucht hier jedoch eine andere Frage auf: Man darf annehmen, da\u00df nach dem Spiel die Sportler einer Mannschaft bzw. der verschiedenen Mannschaften im Heim vorerst zusammenbleiben w\u00fcrden. Dann sind Begleiter und Vorstandsmitglieder dabei. Die kennen ihre Jugendlichen und w\u00fcrden sich ihrer annehmen. Auch manche Familie w\u00fcrde sich dann auf dem Stadion eher einfinden, und nach dem Sport ihren Sohn mit heimnehmen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heimatfreund: Erfreulich ist, da\u00df der Badebetrieb auf dem Sportheim st\u00e4ndig gr\u00f6\u00dfer wird, was bei den au\u00dferordentlich billigen Preisen wohl zu verstehen ist. Um auch den Schulkindern das Baden noch mehr zu erleichtern, sind jetzt f\u00fcr die M\u00e4dchen Badeanz\u00fcge und f\u00fcr die Knaben Badehosen bestellt worden, die den Schulkindern demn\u00e4chst unentgeltlich zur Verf\u00fcgung stehen. Man sollte meinen, da\u00df die 10 Pfennig f\u00fcr ein Brausebad dann wohl aufzubringen w\u00e4ren, vor allem, wenn man bedenkt, welch gro\u00dfe gesundheitliche Vorteile f\u00fcr die Kinder daraus erwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>R.: Diese Badeanlage d\u00fcrfte von Interesse sein. \u00dcberall, auch hier, finden wir Menschen, die Kneipps Methode sch\u00e4tzen und lieben gelernt haben. Da\u00df die Badeanlage hierzu passend ist, ist jedem klar. Die finanzielle Lage des Sportheimes w\u00fcrde sich erheblich bessern, da man hier bei eventueller Gr\u00fcndung am Platze einen interkonfessionellen Verein bilden m\u00fc\u00dfte. Soviel bekannt ist, wird g\u00e4nzliche Abstinenz nicht gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Skeptiker: Es ist gut, und ich finde es auch verst\u00e4ndlich, wenn der Schreiber es als seine Pflicht betrachtet, sich f\u00fcr das Sportheim einzusetzen, weil auch einer guten Benutzung der Badeanlage das Wort zu reden. (\u2026) Wer nun eine Kaltwasserkur nach Kneipp\u2019scher Methode anwenden will, mag das ja nach Herzenslust tun. Doch Vorsicht! Aber wie der angebliche Kneipp-J\u00fcnger meint, dazu wieder einen neuen Verein zu gr\u00fcnden, halte ich doch bestimmt f\u00fcr verfehlt. (\u2026) Einen interkonfessionellen Verein wollen sie gr\u00fcnden? \u2013 Im allgemeinen spricht man doch nicht von katholischen oder protestantischen Kaltwasserkuren.&nbsp; \u2013 Oder ist das Sportheim nicht interkonfessionell?<\/p>\n\n\n\n<p>R.: Wenn sie sich nur ein wenig mit dem Charakter, dem Wesen des Kneipp-Bundes besch\u00e4ftigt h\u00e4tten, w\u00fcrde es Ihnen keineswegs befremdend vorkommen zu h\u00f6ren, da\u00df Abstinenz mit ihm innig verbunden ist, ja selbst Kreuzb\u00fcndler zu seinen Mitgliedern z\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>R.: Da das Sportheim mit seiner Badeanlage einer Kneipp-Kuranstalt vollkommen entspricht, w\u00fcrde es sich so ebensogut rentieren als mit Konzession. Denn die Mitglieder des Kneipp-Vereins sorgen schon f\u00fcr den Bestand der Anstalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sportfreund: \u201eIch m\u00f6chte in diesem Zusammenhang einen anderen Gedanken erw\u00e4hnen. Es scheint mir nicht recht zu sein, da\u00df f\u00fcr die Fensterpl\u00e4tze im Sportheim nichts mehr zu entrichten ist, als f\u00fcr einen Stehplatz unten an der Laufbahn. Man sollte f\u00fcr diese Pl\u00e4tze ruhig einen Aufschlag von 50 Prozent nehmen. Dieser Aufschlag kommt zu gleichen Teilen dem Kastellan und der Gemeinde zugute. Wer also einen Fensterplatz w\u00fcnscht, hat im Sportheim eine zweite Karte zu l\u00f6sen f\u00fcr 0,50 Mk. Die Vorteile, die ein derartiger Platz, namentlich in den kalten Wintermonaten mit sich bringt, werden einer gro\u00dfen Anzahl Sportfreunden wohl 50 Pfennig wert sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Idealist:&nbsp; Wenn der Verfasser davon spricht, da\u00df der Alkoholausschank nur f\u00fcr G\u00e4ste und Zuschauer bestimmt sein soll, so erf\u00fcllte eine besondere Erlaubnis f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere sportliche Veranstaltungen ganz genau denselben Zweck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nachspiel<\/h4>\n\n\n\n<p>Unterdessen schuf die Gemeinde Fakten. Am 21. M\u00e4rz 1930 hie\u00df es: \u201eDer P\u00e4chter des Sportheims auf dem Stadion hat f\u00fcr kommenden Sonntag, wo das mit Spannung erwartete Spiel Union Burgsteinfurt gegen Spielverein Emsdetten stattfindet, von der hiesigen Polizeibeh\u00f6rde Konzession zum Ausschank von Bier erhalten. Diese Erlaubnis d\u00fcrfte in weiten Kreisen lebhaft begr\u00fc\u00dft werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im April tat die Gemeine eine weitere Einnahmequelle auf: \u201eFahrr\u00e4der m\u00fcssen in Zukunft bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen sofort am Fahrradstand neben dem Eingang gegen eine Geb\u00fchr von 10 Pfg. abgegeben werden. Aufenthalt in den Zimmern der erste Etage des Heims bei Spielen und sonstigen gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen kostet eine Extra-Geb\u00fchr von 50 Pfennig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>All diesen Bem\u00fchungen um Verbesserung der Einnahmen stand aber auch eine Verbesserung des Service gegen\u00fcber: \u201eF\u00fcr eine noch bessere Ausgestaltung des Badebetriebes sollen ein Dutzend Holzpantinen gekauft werden und au\u00dferdem eine besondere Fu\u00dfbad-Einrichtung angelegt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie stand es um den Alkoholkonsum der Emsdettener?\u201eIm ersten Halbjahr 1930 betrug der Bierkonsum in Emsdetten 2772 Hektoliter. Er ist gegen\u00fcber dem Vorjahr vermutlich zur\u00fcckgegangen, was sich aus der Verschlechterung der Arbeitsmarktlage wohl erkl\u00e4ren l\u00e4\u00dft. Bei einer Bev\u00f6lkerung von 16.000 Seelen entfallen also auf jeden Einwohner pro Halbjahr ungef\u00e4hr 18 Liter Bier, soda\u00df Emsdetten hinter dem Reichsdurchschnitt (45l) doch erheblich zur\u00fcckbleibt.\u201c Diese zeitgen\u00f6ssische Analyse beschr\u00e4nkte sich allerdings wegen der Pl\u00e4ne, eine Biersteuer einzuf\u00fchren, ausschlie\u00dflich auf dieses Getr\u00e4nk. Wenn die Erz\u00e4hlungen zutreffen, dass die damaligen Emsdettener einen deutlich h\u00f6heren Teil ihres Alkohols in Form von Schnaps zu sich nahmen, relativiert sich das Bild vom enthaltsamen Emsdettener.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sportheim mit seinen verschiedenen Funktionen wurde in den Jahren der Weltwirtschaftskrise weniger genutzt, was die Finanzierungsprobleme versch\u00e4rfte. Statt dessen zog dort in den Krisenjahren die Auszahlungsstelle des Arbeitsamtes ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1930 erlebte Emsdetten eine lebhafte Debatte um eine rentable Nutzung des &#8222;Sportheims&#8220; am Stadion.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":731,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"iawp_total_views":51,"footnotes":""},"categories":[7,12],"tags":[57,8,55],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=756"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":757,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions\/757"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dachbodenschaetze.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}